Jakobsmarkt Medelsheim

Die erste urkundliche Erwähnung

Medelsheim hatte im Mittelalter eine herausragende Stellung in unserer Region. Am 6. April 1334 trug Graf Walram II. von Zweibrücken dem mächtigen Erzbischof Balduin von Trier Stadt u. Burg Medelsheim befristet zu Lehen auf. Kurze Zeit später, am 5. Februar 1335 waren die finanziellen Schwierigkeiten des Grafen derart angewachsen, dass er dem Erzbischof gegen ein Darlehen von 1 500 Pfund Heller sein ganzes Land mit den Burgen und Städten Zweibrücken, Hornbach, Medelsheim und Bergzabern verpfändete.

  Die Errichtung der Burg Medelsheim dürfte in den Jahren nach 1290  erfolgt sein. Ob zu diesem Zeitpunkt Medelsheim Stadt- bzw. Marktrecht besaß ist nicht nachgewiesen.

Urkundlich wird ein Markt in Medelsheim erstmalig im Jahre 1535 erwähnt, wenn auch unter dem Patronat des Hl. St.  Ulrich  (Namenstag 4.Juli)

Quelle: "Meltis oder Medelsheim. Die Parr. Wege und Stationen in der Geschichte. von Joachim Motsch, dem letzten Amtmann der früheren Gemeinde Medelsheim.)

 Die Umwidmung des Patronates zu Gunsten des Hl. Jakobus ist nicht näher belegt.

Eine treffliche Begründung für den Patronats- und Terminwechsel, gibt uns jedoch Rainer Lagall (langjähriger ehem. Ortsvorsteher von Medelsheim) in seinem Gästebucheintrag vom 24.01.2010  

Frühestens ab 1540 muß sich der Markttag von dem Ulrichstag, auf den Jakobstag, dem 25. Juli, verschoben haben. Es kann nur vermutet werden, wann und aus welchem Grund diese zeitliche Verschiebung erfolgt sein könnte.
Klarheit besteht darüber, dass eine Änderung des Markttermines nur mit Zustimmung des Landesherrn erfolgen konnte.
Der Wechsel des Markttages und der Bezugsperson (von Ulrich auf Jakob) dürfte während der Regierungszeit von Graf Jakob von Zweibrücken (1540 bis 1570) erfolgt sein.
Es ist durchaus möglich, dass Graf Jakob den Markttag aus landwirtschaftlichen Erwägungen in eine Zeit verlegt hat, die damals noch eine gewisse Arbeitspause zwischen Heu- und Fruchternte brachte.
Somit bot sich der Namenstag des Grafen als neuer Termin für den Markt - jetzt Jakobsmarkt genannt - direkt an.

Wir danken Rainer Lagall, der in Fachkreisen für seine ausgeprägte Kenntnis der Medelsheimer Dorf- und Kirchengeschichte bekannt ist, für seinen Beitrag

Historische Marktordnung

Die Anlage ist vom Verfasser mangels  Originalen, an historischen Urkunden angelehnt. Jedoch     frei erfunden, und sollte eher als humoristische Einlage aufgenommen werden.


und zur besseren Lesbarkeit hier nochmals:

Edle Ritter, Hochherzige Damen!

Prälaten, Geistig Häupter, Äbt und Mönchlein,

Gemein Leut, Knappen, Knechte, Mägde, fahrend Volk,

So sich hier find mit allergnädigster Duldung Unsrer Hochlöblichen Grafschaft und Obrigkeit

Willkommen hier und heut mitsamt Gäst und Sipp! 

Hiermit tun Wir kund und zu wissen jeglichem Volke, züchtig mündigem Bürger jeden Geschlechts in den Grenzen Unseres hiesigen Weistums zu Medelsheim,
Gräflicher Herrschaft von Zweibrücken, ergehet allen zur strengsten Anerkennung und Befolgung, zu Nutz und Frommen!

Ordnung für den Jahrmarkt

Zu Medelsheim Anno 1535 an St. Ullrichstag

Sie zu achten sich jedermann in höchstem Maße befleißige.

Wir, Simon V. Graf Wecker von Zweibrücken, Hornbach, Medelsheim und Zabern, Vasall und Lehnsmann seiner Majestät Kaiser Karl V.

Bestimmt zum Hüter von Sitte, Recht und Ordnung, tun hiermit kund daß heut und hier ein Markt werd abgehalten.

Ehrbar Handwerkszunft, Bauersleut, Krämer und fahrend Volk, solln kommen

mit Roß und Wagen, mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel, mit Kram, Gewürz und Tuch, Frucht vom Acker, mit Eier und Huhn, mit Kuh und Sau, Ent und Gans, feilzubieten was all Leut begehret, mit Sorgfalt erwogen nach rechtlich Eich, Maß u. Gewicht gegen gutes Geld und bare Münz.

Fahrend Leut solln aufspielen Musik zum Tanze. Jongleure, Gecken, Gaukler und Komödianten für allerlei Kurzweil und Spiel sind hochwillkomm geheiß.

Die Wirtsleut solln beste Speis und zünftig Trank im guten Vorrat halten, zu verköstigen die Ehrbaren Marktleut, hiesge Bürgerschaft und fremde Gäst, auf sorgsam ehrlich Rechnung für harte Münz, Heller und Pfennig.

 Jedoch halt sich fern von Burg, Stadt und Markt, fern Unserer Grenzgeländ,

jeglich Gaunervolk, Dieb, Räuber, Roßtäuscher, Beutelschneider, leichte

Weibsleut, Kuppler, Ketzer und Bettelvolk. Das notpeinlich Sitt und Ordnung herrsche, Ein Jeder respektierlich Rede führe, nicht höhne und schmähe, und sonders nicht ausspucke vor Edlem und Kanonikus. Auch sei nicht Zank nicht Streit noch Übermut unter feiernd Volke, ob Mann ob Weibe. Gemahnt sei Krämer, Bauer, und Handwerksmann nach Ehr und Gewiss rechtlich Maß, Elle u. Gewicht zu nehm, und ehrlich Rechnung führet, für nur beste Ware, gelungnes Werk und gut genährt  gesund Vieh.

So eines Jeden Sorge gelte solch Gräflicher Ordnung, kann ein Jeder nach Unserem Wunsche und Willen teilhaben an der Freude dies Festags, aber wisset das Vogt und Büttel allzeit wachen nach Unsrem strengen Regiment.

Aufgeschrieben und angeordnet an St. Ullrich Anno 1535

Man sieht also, dass die Werte, unter unseren Altvorderen, von gräflicher Obrigkeit sehr wachsom hochgehalten wurden.


Neuzeit

Der Jakobsmarkt als Jahrmarkt war wohl bis weit in das 20, Jahrhundert hinein die einzige Gelegenheit für die Bewohner der Region, um sich mit den besonderen Dingen des täglichen Lebens einzudecken. Die Alternativen dazu waren entweder Hausierer oder eben Produkte aus der näheren Umgebung.

Die Markthändler kamen aus allen Teilen des Landes um ihre Waren anzubieten. In erster Linie waren dies Gebrauchsgüter wie z.B. Haushaltswaren, Bekleidung, Kurzwaren, Leib- und Bettwäsche, landwirtschaftliche  Geräte, Eisenwaren, Werkzeuge usw.

   Der Jakobsmarkt war gleichzeit ein Volksfest, das von Samstag bis Montag gefeiert wurde. Hierzu kamen alle möglichen Schausteller mit Schieß- und Spielbuden, Gaukler, Jongleure und Süßwarenhändler, deren Angebote insbesondere die jüngeren Besucher anzog.

  Nach Berichten von Zeitzeugen hatte das Markttreiben noch Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts einen enormen Umfang. Das Geschehen nahm  die heutige Burgstraße in vollen Ausdehnung und den Schulhof in Anspruch. In "Wacke-Hof" gab es ein großes Festzelt, betrieben und bewirtet vom Männergesangverein 1924 Medelsheim, wo von Samstag bis Montag Gesang, Unterhaltung  und Tanzmusik geboten wurde.

Niedergang  

Der allmähliche Niedergang des Jakobsmarktes nahm wohl mit dem Aufkommen von Versandhäusern seinen Anfang und setzte sich mit zunehmender Mobilität der Bevölkerung, und den erweiterten Einkaufsmöglichkeiten in den umliegenden Städten fort. Die latenten Anzeichen wurden von den Verantwortlichen nicht rechtzeitig wahrgenommen, denn das eigentliche Volksfest - mittlerweile mit Festzelt im Schulhof - gab es noch immer, und war der Höhepunkt im Jahresverlauf. Auch ein paar Schausteller mit Karusell und Schießbuden, sowie Marktstände mit Spielwaren und Süßigkeiten waren noch vorhanden. Der Krammarkt mit Allgebrauchsgütern war in den 70ern nicht mehr vorhanden.

   Die Hauptursache für das schleichende Sterben des Jakobsmarktes war in der zunehmenden  Überalterung der Mitglieder des MGV 1924 begründet. Wie vielerorts in ländlichen Regionen, so fehlte auch hier das Interresse der Jugend am Männergesang und somit dem Verein der Nachwuchs.  Damit ging auch das Jakobsfest seinem mählichen Untergang entgegen, die Besucherzahlen schrumpften in dem Maße wie die Mitgliederzahl des Vereins. Das endgültige Aus kam 1996.

Damit fand eine schöne Tradition ihr vorläufiges Ende. Von den Menschen fast unbemerkt, denn regionale Feste aller Art gibt es in den Sommermonaten in Hülle und Fülle.